Focusing & personzentrierte Psychotherapie | Interview mit Manuel Zeitler

Es gibt Gespräche, die kreisen um ein Thema.
Andere um eine Frage.
Und wieder andere um einen Unterschied, der vielleicht gar keiner ist.
In dieser Folge von Gespräche aus dem Innersten spreche ich mit dem österreichischen Psychotherapeuten Manuel Zeitler über Focusing und personzentrierte Psychotherapie, über Carl Rogers und Eugene Gendlin, über Beziehung und Experiencing und letztlich über die Frage, wo Veränderung eigentlich entsteht.
Manuel arbeitet in der Gemeinschaftspraxis Erlebensraum in Eisenstadt und gehört zum Organisationsteam der diesjährigen Gendlin-Tagung der ÖGWG in Wien anlässlich des 100. Geburtstags Eugene Gendlins.
Ausgehend von seinem eigenen Weg von der Flugtechnik über Physik und Philosophie hin zur humanistischen Psychotherapie erzählt Manuel von einer Erfahrung, die für ihn bis heute prägend geblieben ist:
„Aber das erste Mal, dass ich das Gefühl von ‚Ich bin ok‘ gehabt habe und das war so: He!? Woher kommt das? Als der Schwerpunkt von außen nach innen ging, das war sehr bewegend.“
Von dort aus entwickelt sich ein Gespräch über die Bedeutung von Beziehung, über das Verhältnis von Therapie und Technik und über die Frage, ob das menschliche Erleben zuerst in der Begegnung mit anderen Menschen entsteht oder ob die Beziehung vielleicht selbst schon Ausdruck eines tieferen Prozesses ist.
Manuel formuliert seine Position dabei sehr klar:
„Drum sag ich lieber ‚Experienzielles Arbeiten‘ und behaupte, dass das Rogerianische Arbeiten prinzipiell ‚Experienzielles Arbeiten‘ ist.“
Und an anderer Stelle:
„Gendlin steht auf den Schultern von Rogers und nicht umgekehrt. Das des Ding immer ist, ‚Ich mit mir geht dann gut‘ wenn das ‚Ich mit Dir‘ schon einmal gelungen ist.“
Von dort aus wird das Gespräch zunehmend diskursiv.
Es geht um die Frage, ob Beziehung und Experiencing überhaupt voneinander getrennt werden können, um die Rolle von Kongruenz und Empathie, um die Grenzen eines technisierten Verständnisses von Focusing und Psychotherapie und schließlich auch um Spiritualität, Esoterik und die Frage, worauf menschliches Erleben letztlich verweist. Wir kreisen um diese Fragen, nähern uns an und stoßen uns bisweilen auch wieder ab. Und doch haben wir eine gemeinsame Blickrichtung, die Manuel wiefolgt beschreibt:
"Und das ist jetzt das, was mich interessiert, dass Beziehung entsteht zwischen Menschen und das würde ich sagen, geht ohne Experiencing gar nicht."
Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass Manuel später im Gespräch sagt:
„Bei Gendlin oder im Focusieren oder im experientiellen Zugang zu mir selbst, hab ich auch das Gefühl: da entsteht etwas Größeres.“
Vielleicht liegt ja genau dort der eigentliche Suchpunkt dieses Gesprächs?
Nicht in der Entscheidung zwischen Rogers und Gendlin. Nicht zwischen Beziehung und Experiencing. Sondern in der gemeinsamen Suche nach einem Ort, an dem beides sich begegnet.
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