FOCUSING Anleitung

Ein spielerischer Weg in den inneren Garten

Die sechs Schritte im FOCUSING -- Ein Weg in den inneren Garten

Focusing Anleitung spielerisch

Du schließt die Augen, atmest durch – und trittst einen Schritt zurück vom Betrieb des Alltags. Wie ein Gärtner, der erst einmal innehält, schaust Du in Deinen inneren Garten. Du siehst Dich um, aber gehst noch nicht hinein! Welche Gefühle, Gedanken, Stimmungen sprießen gerade in Dir? Du nimmst sie einfach wahr – ohne sie zu bewerten: Ah, die Vorfreude auf das Wochenende trägt schon viele Blüten. Und da auf dem Boden breitet sich überall der „Wie soll es weitergehen?“-Gedanke aus. Und der Sorgen-Baum am Rand des Gartens wirft seinen großen Schatten. Das alles — Deine gesamten inneren Bewegungen — nimmst Du vom Eingang aus wahr — mehr nicht.

Nun gehst Du mit Deiner Aufmerksamkeit in Deine Körpermitte. Vielleicht ist da bereits etwas, das sich unaufdringlich bemerkbar macht: Ein Kribbeln, ein Ziehen, ein irgendwie unwohles Gefühl… Noch ist es unklar und kaum zu greifen. Dieser “Felt Sense”, wie Gendlin diese vage Ahnung nennt, ist wie ein scheuer Gast an Deinem Gartentor, der Dir etwas sagen will, aber noch nicht spricht. Vielleicht nimmst Du ihn kaum wahr, weil Deine Aufmerksamkeit noch ganz auf den Sorgenbaum gerichtet ist, der doch dringend gestutzt werden müsste, oder bei den Blumen, die schnellstens Wasser brauchen. Es ist gut, dass sich diese Stimmen laut melden und Du wirst Dich ihnen später widmen, aber für den Moment bleibst Du am Eingang in Deiner Körpermitte.

Jetzt beginnt das Lauschen. Dü hörst darauf, was Dir dieses vage Etwas sagen will. Du fragst Dich: Wie fühlt sich das genau an? Vielleicht ist es „wie ein aufgeregtes Hüpfen“, „wie der Gesang eines zitternden Vögleins“ oder „wie ein nass-kalter Schrecken“. Du suchst nach Worten, Bildern, Gesten – nach einem Ausdruck, der zu diesem noch nicht ganz Greifbaren passt. Dies ist keine Rechenaufgabe für den Kopf, sondern eine kreative Aufgabe für Deinen ganzen Körper. Ob jemand anderes diesen Ausdruck versteht, ist nicht entscheidend. Es spielt nicht einmal eine Rolle, ob Dein Kopf ihn versteht — es gilt ausschließlich, ob es sich eben so anfühlt.

Du prüfst, ob das Bild, das Wort, die Geste wirklich stimmt. Dazu nimmst Du den Ausdruck mit nach innen in Deine Körpermitte. Es ist, als würdest Du dem vagen Etwas einen Ausdruck anbieten, als würdest fragen: „Willst Du vielleicht das sagen?“ Manchmal verändert sich dadurch etwas und kommt in Bewegung: Dann versuchst Du erneut, einen passenden Ausdruck zu finden und diesen mit Deiner inneren Stimme zu vergleichen. Und manchmal verwandelt sich das ganze innere Erleben: Du spürst unmittelbar, sobald Eindruck und Ausdruck übereinstimmen, sobald es wirklich „stimmt“. – Das vage Etwas antwortet mit einem leichten Aufatmen, einem inneren „Ja, genau so!“ Es entsteht ein Gefühl, als würde sich ein Knoten lösen, eine Last abfallen — als könntest Du jetzt freier und tiefer Atmen. Dann weißt Du, dass Du diese innere Stimme verstanden hast.

Solange der felt sense da und lebendig ist, kannst Du ihn behutsam befragen: Was macht Dich so „xxx“? Was brauchst Du? Woher kommst Du? Du fragst, als ob Dir dieses Gefühl als leibhaftige Person gegenüberstände. Du fragst, ganz ohne Druck, ohne die Antwort zu erzwingen, aber aus aufrechtem Interesse und mit echter Zuwendung. Oft kommen überraschende Einsichten aus Deinem Innersten, wie aus einem tiefen Brunnen.

Abschließend verweilst Du noch einen Moment bei dem, was sich gezeigt hat. Du bedankst Dich für die Begegnung — selbst dann, wenn Du keine vollständige Auskunft erhalten hast und noch Fragen offen sind. Es geht nicht darum, etwas zu erreichen oder loszuwerden. Es geht darum, verbunden zu sein. Für den Moment verabschiedet Du Dich von Deiner inneren Stimme – dankbar für die gewonnen Einsichten und offen für alles, was sich vielleicht später noch weiter entwickelt: Auf Wiedersehen!

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